Eine neue Weltordnung
Von: Philipp Gräser

Die letzten Jahre waren geprägt von verschiedenen Krisen. Spätestens seit 2022 hörte man wieder und wieder davon, dass Deutschland und Europa endlich „aufwachen“ müssen. Doch bis heute ist niemand so richtig aufgewacht. Stattdessen schlafwandeln wir kollektiv in eine Ära, in der Europas Werte Stück für Stück an Bedeutung verlieren und global das „Recht des Stärkeren“, das an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte erinnert, wieder an Bedeutung gewinnt. Allen voran unser vormals wichtigster Bündnispartner, der maßgeblich zu unserer Befreiung vom verbrecherischen Nazi-Regime beigetragen hat, ist zu einer Autokratie verkommen, die uns mit wirtschaftlichem Druck erpressen will, statt über Zusammenarbeit zu reden.

Unter der neuen US-amerikanischen Regierung sehen wir, wie eine autoritär werdende Weltmacht im Niedergang versucht, ihre Macht zu erhalten, während sich das totalitäre China als neues globales Machtzentrum inszeniert.
Eines scheint klar zu sein: Auch wenn China, die USA und auch Russland nicht in allem übereinstimmen, so haben sie definitiv gemeinsame Ziele. Die regelbasierte internationale Ordnung, für die im Prinzip nur noch Europa und einige wenige Verbündete stehen, lehnen sie ab. Menschenrechte und die Demokratie? Abgelehnt. In der Folge stemmen sie sich ebenfalls gegen ein vereintes Europa, das in Frieden, Freiheit und Demokratie leben will, und finden in uns und der EU ihr gemeinsames Feindbild, das sie um jeden Preis zerstören wollen.

Das ist keine kleine Unannehmlichkeit. Kein „Na, das wird morgen schon wieder besser“. Das ist ein Umbruch in der Weltpolitik, auf den wir in Deutschland und Europa antworten müssen. Ein Europa der Nationalstaaten wird in einem Gehege mit diesen drei Raubtieren chancenlos sein, weshalb wir uns unbedingt mit den anderen Staaten Europas zusammentun müssen, um unsere Freiheiten zu verteidigen. Denn genau diese Freiheit ist es, die Diktatoren weltweit am meisten fürchten.

Doch auch Europa ist nicht allein in dieser Welt. In Asien und Ozeanien gibt es zahlreiche Staaten, die vor einem expansionistischen China Angst haben und neue Partner suchen. Mit Indien und Japan sind darunter sogar einige wirtschaftliche Schwergewichte zu finden. Viele Staaten in Afrika haben am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn China rücksichtslos eigene Interessen durchsetzt, und wenden sich von ihm ab. Hier sind Staaten wie Nigeria, Äthiopien und Ägypten zu finden, die in Zukunft einige der bevölkerungsreichsten Länder der Erde sein werden. Und in Südamerika lösen nicht zuletzt die Expansionsbestrebungen der US-Regierung große Furcht aus. In all diesen Staaten kann Europa gute Partner finden, wenn wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und nicht auf eigene Profitmaximierung auf Kosten anderer setzen.

Bei all dem dürfen wir nicht vergessen, dass groß angelegte partnerschaftliche Zusammenarbeit weltweit und die gleichzeitige Bereitschaft zur Verteidigung der eigenen Freiheit die Grundlage für dauerhaften Frieden sein können. Ein Europa, das global als Einheit auftritt, ist unsere große Chance, uns dem Autoritarismus entgegenzustellen und als demokratische Festung dem verheerenden Sturm zu trotzen.

Schlagwörter: Europa | Weltpolitik | Zusammenarbeit

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