Zur Griechenlandkrise

Der Umgang der anderen Eurostaaten mit Griechenland ist unerträglich, es geht immer nur um den Finanzsektor, nie um das Land und die Menschen.
Wenn Merkel, Schäuble, Kauder oder andere in Deutschland und Europa auf dem Einhalten von Regeln pochen, ist das total unmenschlich, weil im Notfall immer Regeln aufgeweicht werden müssen. Auch andere Euro-Staaten, auch Deutschland haben immer wieder die vereinbarten Euroregeln gebrochen. Gerade die dazu vorgebrachte Entschuldigung, es sei ja nie so schlimm gewesen wie in Griechenland, belegt doch, dass jetzt besondere, auch regelwidrige Maßnahmen notwendig sind.

Man stelle sich vor, eine Reisegruppe hätte vereinbart, auf der Autobahn nie unter 100 zu fahren, um rechtzeitig am Ziel anzukommen. Nun nähert man sich mit 100 einem LKW, die Überholspur ist voll und die anderen Mitfahrer verlangen vom Fahrer, nicht zu bremsen. Oder man kann auf die Überholspur fahren, schlägt aber die Warnung des Fahrers in den Wind, dass der Tank bald leer ist und bleibt dann tatsächlich auf der linken Spur liegen. Alles nur, um die Vereinbarung über die Ankunftszeit mit allen Mitteln einzuhalten?

Der Fahrer als Überbringer der schlechten Nachricht, dass vor ihnen ein LKW fährt oder dass der Tank leer ist, wird als der Schuldige am Desaster hingestellt, die eigentlich Schuldigen an der Misere waschen ihre Hände in Unschuld.

Die jetzige griechische Regierung wurde von den Griechen gewählt, um das Aufprallen zu verweigern und die Regierung tritt folgerichtig auf die Bremse. Die griechische Regierung versucht zu Recht, die Europartner wachzurütteln. Hätte die Eurogruppe in den vergangenen Jahren nicht immer mehr Kredite nach Griechenland gepumpt, nur um die Banken und privaten Investoren zu schonen, wäre es nie so weit gekommen. Schuld hat die gesamte Eurogruppe mit ihren falschen Zielen und falschen Wegen. Wenn die Regeln wirklich so wichtig sind, dann hätte die Eurogruppe die Verschuldung Griechenlands über die Regelgrenze von 3% gar nicht erst zugelassen oder sofort Gegenmaßnahmen ergriffen. Seltsamerweise wird die Regeleinhaltung erst jetzt wichtig, wenn eine ungeliebte linke Regierung zuständig ist. Und es wird ganz offen die Angst zugegeben, dass bei einem Erfolg der griechischen Regierung auch in anderen Eurostaaten linke Regierungen gewählt werden könnten. Wie furchtbar!? Aber das zu befürchten ist kein demokratisches, sondern ein egoistisches Ziel.

Es wird immer wieder betont, dass alle Eurostaaten Demokratien sind (wenn sie die richtigen Regierungen wählen!).

Natürlich haben die griechischen Volksparteien-Regierungen in den Vorjahren schwere Fehler gemacht, aber das berechtigt die anderen Euro-Staaten nicht, der neuen griechischen Regierung die Schuld an der verfahrenen Lage zuzuschreiben.

Die Euro-Staaten, die den Weg der überbordenden Kredite für Griechenland zu verantworten haben, sollten ihren Wählern endlich bekennen, dass nun die Bürgschaften fällig werden, so oder so, falls jemand etwas für Griechenland und seine Bevölkerung tun will.

Im Privaten wäre der Vergleich, dass jemand seine Kreditraten für sein Haus nicht mehr bezahlen kann, und die Freunde, die für ihn gebürgt haben, keinen Cent rausrücken wollen, sondern den Freund lieber in die Obdachlosigkeit entlassen, trotzdem aber für das billig zwangsversteigerte Haus dann noch Zuschüsse zahlen müssen, die ihnen schaden, die aber niemandem außer der Bank nützen. Das ist keine Freundschaft, das ist keine Solidarität. Besser wäre es gewesen, die Bürgschaften gar nicht erst einzugehen, sondern der befreundeten Familie immer direkt zu helfen in Notlagen.

Es wäre zu wünschen, wenn die griechische Bevölkerung ihrer Regierung den Rücken stärkt und mit dem Finger zeigt auf die wahren Schuldigen in den anderen Euro-Staaten.